Funktion versus Rolle

Exkurs zum Thema Funktion und Rolle

Funktion und Rolle sind in der sozialen Realität eng nebeneinander liegende Phänomene die für sich genommen recht unterschiedliche Bedeutung haben. Dies zu veranschaulichen soll mit dem Begriff „Leitung” getan werden. Leitung beschreibt im Gegensatz zu Führung eine Funktion die ihre Bedeu­tung im strukturellen Aufbau einer Organisation hat. Ein Mitarbeiter der eine bestimmte Leitungsfunktion ausfüllt, tut dies im Rahmen unterschied­licher sozialer Rollen. So nimmt eine Person, die eine bestimmte Leitungs­funktion ausübt, unterschiedliche Rollen, je nach Situation und Aufgaben­stellung ein; z. B. Initiator, Führer, Koordinator, Verhandler, Mentor etc. Leitungs­aufgaben erfordern eine hohe Rollenplastizität. Damit dies adäquat erfüllt werden kann, ist ein Kennen der eigenen Stärken und Kompetenzen, als auch das Erkennen möglicher Entwicklungsfenster, wichtig. Also, Leitung ist die Funktion, und Führung ist eine mögliche von verschiedenen sozialen Rollen, aus der sich diese Funktion zusammensetzt.

Unter Funktion ist eine erworbene, verliehene, vereinbarte oder fest­ge­legte Rah­men­bedingung in einer sozialen Gemeinschaft, die an beidseitig abge­sprochene Tätig­keiten gebunden ist, zu verstehen. Davon unterscheidet sich eine Rolle. Diese ist ein eigenes oder durch Fremdwahrnehmung ge­­wähltes Verhaltens­muster, das abgesprochen oder unabgesprochen in der sozialen Gemein­schaft ausgeübt wird (vgl. Pechtl, 1995, S. 202f). Veranschaulicht kann dies mit folgender Tabelle werden:

Funktion Tätigkeiten Rollen
Leitung bewerten, beurteilen, entscheiden, anleiten, leiten, kontrollieren, animieren, initiieren, managen, … Initiator, Koordinator, Führer, Verhandler, Mentor, Manager, …
andere Mitarbeiter-Funktionen: (Kalkulant, Maurer, Vorarbeiter, Meister, Dreher, Rohmaterialein­käufer, u.s.w.) Mit der jeweiligen Funktion verbundene Tätigkeiten im engeren Sinne Vorbild, Angepasster, Geselliger, Exponent, Experte, Innovator,…

Für die Ausübung der Funktion Leitung sind mehrere Bündel an Fähigkeiten (Kompetenzen) vorauszusetzen, die natürlich auch “normale” MitarbeiterInnen betreffen. Exemplarisch sollen hier einige Kompetenzen angeführt werden, welche für die Leitungsarbeit als zentral erscheinen: a) Kontakte knüpfen und tragfähige Beziehungen gestalten; b) zielgerichtetes Einrichten und Betreuen von Informationonsstrukturen; c) einen eigenen Standpunkt vertreten können ohne andere Mein­un­gen und Ansichten zu ignorieren (d.h. auch zu konstruktiver Auseinandersetzung fähig und bereit sein) und d) Konflikte so beeinflussen können, dass zielgerichtetes und produktives Handeln gewährleistet bleibt.

So gesehen ist für die Leitungsarbeit nicht die fachliche Kompetenz allein entscheidend, es sind vor allem auch sozialpsychologische Kenntnisse, methodische Kenntnisse der Analyse und Plan­ung und das Geschick im Umgang mit Menschen, die eine entsprechende Qualifizierung aus­machen (vgl. Eisner, 2007, S. 29).

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© 2009 Mag. Josef Eisner

Funktion Tätigkeiten Rollen
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4 Kommentare zu „Funktion versus Rolle“

  • Was ist eine Position? Wie unterscheidet diese sich von Funktion und Rolle?

    Die Position ist eine formal festgelegte, in der Regel hierarchisch eingeordnete, Verortung einer Funktion. D.h., dass zum Beispiel ein Abteilungsleiter des Rechnungswesens oder des Einkaufs usw. die gleiche hierarchische Position einnehmen, funktional jedoch ein ganz unterschiedliches Profil aufweisen. Also, die funktionalen Aufgaben sind bei gleicher oder ähnlicher Positionierung unterschiedlich. Eine informelle Position würde eine Person im Rahmen der Organisation dann einnehmen, wenn dieser der Ruf voraus eilt der oder die heimliche ChefIn (o.a.) zu sein. Diese informelle Postion kann durchaus Charakteristika aufweisen die der Definition von Rolle (s.o.) entsprechen (Überlappung von Position und Rolle).

  • Hallo,lieber Herr Eisner,
    auf der Scuhe nach gescheiten Texten bin ich auf Ihre Seiten gestoßen.
    Frage: Stammen die Definitionen zu Funktion und Rolle nicht großteils aus dem Buch von Herrn Waldefried Pechtl, S. 202ff? Wäre super, wenn Sie diese tolle Quelle auch anführten.
    Liebe Grüße
    Chr. Sauer

    • Danke für Ihre ergänzenden Ausführungen. Wie ich in der Klarstellung zu Quellenangaben angeführt habe wird in diesem Blog nicht exakt nach wissenschftlichen Konventionen formuliert und gnerell auf eigene Texte verwiesen, die sehrwohl die Ursprungstexte entsprechend zitieren.
      Gruß
      J. Eisner

    • PS.: Beim Studium des Textes von W. Pechtl wären unter anderem auch die Querverbindungen zu den Ursprungstheorien interessant (z.B. Moreno, Levin, Mead, Goffman, Parsons, Darendorf, …)

      Lesen Sie mehr dazu hier …

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Quellenangaben
Die hier veröffentlichten Artikel sind Auszüge von Aufsätzen und wissenschaftlichen Arbeiten des Autors. Ausführliche Literaturangaben werden zugunsten der Lesbarkeit der Texte auf das Notwendigste beschränkt. Allfällige Anfragen bezüglich theoretischer Hintergründe und Quellenangaben sind an den Autor dieses Blogs zu richten. Übernommene Beiträge sind als Zitate angesprochen und mit entsprechenden Quellverweisen versehen.

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